die Ulrichskirche in Langenbrand

75328 Schömberg-Langenbrand, Forststraße 20

Geschichte der Ulrichskirche

Langenbrand liegt auf dem Höhenzug zwischen dem Nagold- und dem Enztal (um 700m hoch). Die gute Schwarzwaldluft und die herrliche Lage ziehen viele Besucher an. Solche unter ihnen, die sich für Geschichte und Kunst interessieren, sollten nicht versäumen, die Kirche zu besichtigen.

Von außen läßt sich leicht erkennen, dass die Teile der Kirche verschiedenen Epochen angehören. Das Schiff in seiner heutigen Form und der obere Teil des Turmes wurden erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Sehr alt ist dagegen der untere Teil des Turmes. Er enthält romanische und gotische Stilelemente. Die Schönheit des Chores lässt sich vom Schiff aus nicht erfassen. Das hat seinen Grund darin, dass dieser ursprünglich eine eigenständige Kapelle war.

Sie gehörte wohl zu einer Burg. Da Langenbrand an einem strategisch wichtigen Punkt der Westgrenze des Gebietes der Grafen von Calw lag, kann man sich gut vorstellen, dass sich hier eine Burg befand.



der Chor der Kirche

Der Chor ist etwas ganz Besonderes - nicht darum, weil er in der romanischen Zeit erbaut und dann im gotischen Stil weitergeführt wurde, sondern weil das Kreuzrippengewölbe auf vier freistehenden Säulen ruht und die Ecken des Raums abgerundet sind.

Diese Raumform mit einem inneren Chorquadrat ist in Deutschland nicht üblich gewesen. Dagegen findet sie sich in Spanien, Frankreich und Italien. Und es befindet sich dieselbe säulengestützte Kapelle in Schaffhausen. Der Gründer des dortigen Klosters Allerheiligen, Graf Eberhard von Nellenburg, ist zusammen mit Heinrich III. in Rom gewesen und hat auch eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostella (Spanien) gemacht. Wahrscheinlich hat er sich die dortige Gnadenstätte zum Vorbild einer Kapelle im Kloster Allerheiligen erwählt.

Die Grafen von Nellenburg und die von Calw waren enge Verwandte. Ein Graf von Calw hat wohl den Grundriss für seine Kapelle von seinem Verwandten in Schaffhausen übernommen. Der Bau der dortigen Kapelle fällt in die Jahre 1064 bis 1078. Wahrscheinlich entstand die Kapelle in Langenbrand nicht viel später. Das war also die Zeit in der Heinrich IV. nach Canossa pilgerte, um sich dort von Papst Gregor VII. vom Bann lösen zu lassen.



Entstehung der Kirchengemeinde

Im Jahr 1404 verfügte das dafür zuständige Bistum Speyer auf Bitten des Grafen Eberhard von Württemberg die Abtrennung der Kirchengemeinde Langenbrand von der Pfarrgemeinde Brötzingen, da es für die Bevölkerung, besonders während des Winters zu beschwerlich sei, immer in die über 10 km entfernte Kirche in Brötzingen zu wandern.

Die Burg war inzwischen verfallen. Jetzt baute man ein Schiff an die Burg-Kapelle  und machte aus dieser den Chorraum für die neue Kirche.

Inzwischen war der gotische Baustil für ganz Europa vorherrschend geworden. So wurde der Chroraum mit gotischen Kreuzrippen überwölbt und mit gotischen Fenstern versehen. Auf dem Schlussstein ist ein doppelköpfiger Drache zu sehen. Die Gemälde sind wohl in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden. An den Gewölbekappen des Kreuzgewölbes sind die vier Evangelistensymbole dargestellt (Lukas-Stier, Markus-Löwe, Matthäus-Engel, Johannes-Adler), über der gotischen Sakramentsnische sind zwei knieende Engel mit einer Monstranz zu sehen. Der noch wirksame Farbklang von Gelb, Braun, Rot und Grün trägt zur feierlichen Stimmung in der Kapelle bei.



Das Schiff der Kirche

Das nüchterne, zuletzt 1962-64 renovierte Schiff der Kirche ist ein einfacher, zweckmäßiger Versammlunsraum, in dem die Gemeinde zusammen kommt, um auf die Verkündigung des göttlichen Wortes zu hören und gemeinsam zu singen und zu beten.

Auch die Feier der Sakramente geschieht in diesem Teil der KIrche. Aus praktischen Gründen lässt sich der Altar nicht hinten im Chor aufstellen; weder Abendmahls- noch Tauffeiern können im Chor stattfinden. Baulich lassen sich das Schiff und der Chor nicht zu einer Einheit verbinden.

Doch ist der Blick auf den Chor ein Hinweis auf die tieferen Geheimnisse unseres Glaubens und auf den Weg des Gottesvolks durch die Geschichte. Hier haben sich einst die Burgherrren daran erinnern lassen, dass sie unter dem Herrn aller Herren stehen; hier verneigten sich die Priester in der vorreformatorischen Zeit vor den Opfergaben im Wandtabernakel. Die Glocken über dem Chorgewölbe riefen die Christen von nah und fern über Jahrhunderte hinweg zum Ort der Verkündigung, der Sakramentsfeiern und der Gemeinschaft. Die gotischen Bogen weisen nach oben, und die Bildsymbole der Wandmalereien bezeugen den, der da ist und der war und der da kommt.

Die Beschreibung der Kirche stützt sich auf eine Abhandlung von H. Hoffmann in „Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg“, Jahrg. 8, Heft 1.

den Flyer gibt es hier zum download